Weißt du, was Liebe ist?
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Jubiläum
Jubi Story zum 100. Kapi

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Hilf mir fliegen1. Teil 'Weil du mir ihr Herz hinterlässt'


Kapitel 1

‘’Glaubst du, dass Leben hat noch einen Sinn, wenn dein Herz schon längst gestorben ist? Glaubst du das du überleben kannst, ohne zu atmen? Du lebst nur noch für andere, lachst damit sie sehen dass es dir gut geht, damit sie sich keine sorgen machen. Damit sie sehen, dass du stark bist. Das selbe starke Mädchen wie noch vor 2 Monaten. Aber du bist kein normaler Mensch mehr, wenn deine zweite hälfte nicht da ist. Man kann es nicht leben nennen, denn du lebst nicht mehr, wenn die zweite hälfte deiner Seele verschwunden ist’’
schwarze Tränen tropften auf das weiße Blatt. Ich ließ den Stift fallen und wischte mir mit dem Handrücken über die Wangen. Mein Kajal war verschmiert, meine Unterlippe zitterte und ich hatte das Gefühl zu ersticken. Zu ersticken, an Gefühlen die ich nicht zeigen konnte. Ich war doch stark, dass sagten doch immer alle. Und sie, Pia, hatte es auch immer gesagt. Pia… mein Leben, meine bessere hälfte. Sie würde auf ewig in meinem Herzen bleiben, in meinen Gedanken. Auf ihrer Beerdigung hatten alle gesagt, das Leben ginge weiter, ich müsste es positiv sehen, sie wäre ja jetzt erlöst. Aber was sollte ich denn machen? Sie konnten doch nicht erwarten dass ich mich über den Tod meines Zwillings freute. Bei dem Gedanken schüttelte ich kaum merklich den Kopf, erhob mich von meinem Schreibtisch und ließ mich auf mein bett fallen. Starrte zur Decke und versuchte nicht zu denken. Denn denken konfrontierte einen früher oder später immer mit der Wahrheit dass hatte ich gelernt. Die Wahrheit war dass sie alle recht hatten. Ich musste weiter Leben, aber diese Wahrheit wollte ich mir nicht eingestehen. Noch nicht.
* Kim? Kommst du essen?* Der ruf meiner Mutter ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Essen? Ja klar… essen… etwas verwirrt schleppte ich mich die Treppe herunter und ließ mich an den Gedeckten Küchentisch fallen.
* Hast du geweint?* War dass erste was meine Mutter fragte als sie mit dem dampfenden Kochtopf die Küche betrat. Ich schüttelte den Kopf, wusste aber dass leugnen überflüssig war, denn meine Schminke war immer noch verschmiert und meine Augen wahrscheinlich gerötet. Doch meine Mutter sagte nichts dazu, war wahrscheinlich froh dass sie mich nicht wieder belabern musste dass das Leben eben weiter ginge.
* Wo ist Papa?* Erst jetzt viel mir auf, das mein Erzeuger mal wieder nicht da war und anhand des Gesichtsausdrucks meiner Mutter hatte ich eine leise Vorahnung wo er war.
* Er ist… er wollte… also.. Er hat gesagt dass er mit seinen Freunden Pokern will,* stotterte sie und mied anscheinend meinen Blick, denn sie sah stur auf ihren Teller. Pokern… ja klar, dass war so typisch für ihn. Er log! Mama wusste es, doch nie sagte sie etwas. Dabei wusste sie dass er sie betrog. Dass er eine andere Frau liebte, dass die beiden sich regelmäßig trafen und dass die Ehe meiner Eltern so gut wie vorüber war. Doch anstatt es ein zusehen redete sie sich selbst ein dass wir eine glückliche Familie waren. Dabei war alles kaputt. Ich sagte jedoch nichts weiter, ich wollte keinen streit mit meiner Mutter. So aß ich meine lauwarme Suppe und verzog mich wieder die Treppe hoch. Jedoch lief ich nicht in mein- sondern in Pias Zimmer und kuschelte mich dort in ihr Bett. Es roch sogar noch nach ihr. Wir, meine Mutter und ich, hatten beschlossen Pias Zimmer so zu lassen, wie sie es verlassen hatte bevor sie diesen Autounfall gehabt hatte. Mit 15 Jahren war sie mit Papas BMW quer durch Dortmund gefahren, direkt in eine Wand. Sie war sofort Tot.

 

Kapitel 2

Ich stand auf und lief zu ihrem Schrank, zog eines der vielen T-Shirts von ihr heraus und atmete den Geruch ein. Ja sie hatte immer toll gerochen…. Ich nahm das T-Shirt wieder von meinem Gesicht und blickte mich in ihrem Zimmer um. Knapp 45 Tokio Hotel Poster schmückten ihre Wände. Ich hatte nie etwas mit der Band anfangen können. Ich hasste Leute die abgehoben waren. Ich hasste Stars die dachten sie wären etwas besseres als die ‘normale’ Gesellschaft. Ich seufzte als ich daran zurück dachte wie sehr ich mich gelangweilt hatte als wir 10 tagelang vor einem Konzert dieser Band gewartet hatten. 10 Tagelang gezeltet nur damit Pia in die erste reihe kommen konnte. Und dann, zwei Stunden vor dem Einlass war sie zusammen gebrochen und das ganze Konzert über hatte sie Ohnmächtig in einem Krankenhaus gelegen.
“ Und wo verdammt warst du dann? Ich hab die Schnauze langsam gestrichen voll,* hörte ich auf einmal meine Mutter kreischen. Dann ein lautes Klatschen und dann stille. Wie versteinert stand ich da, krallte mich in dem T-shirt fest welches ich immer noch in der Hand hielt. War er also wieder einmal bei seiner Freundin gewesen? Ich seufzte, warf das T-Shirt zurück in den Schrank und machte mich auf den Weg in mein Zimmer, schnappte mir meinen mp3 player, rannte die Treppe runter in die Diele, schlüpfte in meine Vans und schon war ich draußen.

I open my eyes
I try to see but I'm blinded by the white light
I can't remember how
I can't remember why I'm lying here tonight
And I can't stand the pain
And I can't make it go away
No, I can't stand the pain
How could this happen to me
I'm made by mistakes
Got nowhere to run
The night goes on as I'm fading away
I'm sick of this life I just wanna scream
How could this happen to me Ich war über die kleine Brücke in den Wald eingebogen. Kalter Wind trieb mir die Tränen in die Augen und ich fröstelt. Es fing an zu regnen, aber ich lief weiter, immer weiter weg von zu Hause. Wollte einfach nie wieder zurück. Nie wieder hören wie sie sich stritten. Kapitel Nummer 3 Ich fing an zu Joggen, der kalte Regen der mir ins Gesicht schlug tat gut, ich schloss die Augen… und stolperte prompt über einen Ast. Lag im Dreck und fing auf einmal tierisch an zu lachen. Na klar, mir war kalt, ich wollte nichts lieber als sterben und lag jetzt hier im Dreck. Konnte man sich etwas schöneres vorstellen? Ich spürte wie der feuchte Schlamm meine Klamotten durchnässte. Aber ich wollte nicht zurück nach Hause und so lief ich weiter. Immer tiefer in den kleinen Wald, bis ich an einer stelle ankam, an der ich noch nie gewesen war. Ich stand auf einer Art Lichtung, ein Asphaltierter Weg schlängelte sich wahrscheinlich zurück zur Hauptstraße, eine kleine Brücke führte über den kleinen Bach. Auf dieser Brücke, saß eine Gruppe von Jungs. Ich hatte kein Problem damit und lief weiter, wollte einfach an den Jungs vorbei, als ich spürte wie etwas mein Fußgelenkt packte, ich stolperte und der Länge nach, dass zweite mal an diesem Tag, im Dreck landete. Die Gruppe Jungs hinter mir grölte, während ich mich aufrappelte und mich umdrehte.
* Wer war das?* fauchte ich wütend und klopfte mir den gröbsten Dreck von den Durchnässten Klamotten. Einer der Jungs hob die Hand und grinste, wobei er eine reihe von gelber Zähne entblößte.
* Und was verdammte scheiße willst du von mir,* fragte ich mit bedrohlicher Stimme, sodass der Junge ein stück zurück wich.
* Du siehst traurig aus, magst du uns erzählen was passiert ist?* Ein etwas älterer Typ, ich schätzte ihn so auf Anfang 20, war aufgestanden und kam auf mich zu.
* Nein mag ich nicht, das geht euch nen scheiß Dreck an,* ich versuchte weiterhin bedrohlich zu klingen, aber man hörte deutlich die Angst in meiner Stimme.
* Ich hätte da etwas, was dir helfen könnte,* der Typ hielt mir ein Silbernes Alufolie Päckchen entgegen.
* Was-?* weiter kam ich nicht, denn der Typ schnitt mir das Wort ab:* Heroin,* lachte er und kam wieder einen Schritt auf mich zu.
Nein! NEIN! So tief war ich nicht gesunken. Ich drehte mich um und fing an zu rennen, rannte so schnell wie ich wahrscheinlich noch nie gerannt war. Ich wollte nicht wieder nach Hause, aber als Junkie auf einer Brücke enden, wollte ich noch weniger und so stand ich knappe 30 Minuten später wieder zu Hause in der Diele.
* Wie siehst du denn aus Häschen,* quietschte meine Mutter mit übertrieben hoher Stimme und wollte mich in den Arm nehmen als ich sie grob zurück hielt:* Als ob dich dass interessieren würde,* schnaubte ich, warf meinem Vater einen vernichtenden Blick zu und lief, jede zweite Stufe nehmend, die Treppe hinauf. Kaum hatte ich meine Zimmertür hinter mir geschlossen fing ich an zu weinen. Ließ mich an der Wand hinab auf den Boden gleiten und schluchzte laut auf.

 

Kapitel 4

* Da siehst du es, du bist schuld,* waren die ersten Worte die ich am nächsten Morgen hörte. Ich musste gestern Abend eingeschlafen sein, denn als ich mich bewegte spürte ich den harten Fliesenboden unter meinem Körper. Jeder einzelne Knochen tat mir weh und bei dem was meine Mutter da am frühen Morgen schon wieder von sich gab, kamen mir die Tränen.
* Natürlich, ich bin ja sowieso der Arsch vom Dienst, fehlt nur noch dass du mir am Tod von Pia die Schuld gibst,* ich sah das Wutverzerrte Gesicht meines Vaters, ohne die Augen zu öffnen. * Du hättest besser auf passen sollen. Du hättest doch mitkriegen müssen dass sie dir den Schlüssel geklaut hat,* ich hörte einen Teller oder etwas ähnliches zu Bruch gehen.
* Es reicht, glaubst du ernsthaft ich wollte das sie stirbt,* klirr, das nächste Porzellan ging zu Bruch.
* Es geht doch überhaupt nicht um Pia, Pia ist tot, es geht um Kim, glaubst du es tut ihr gut wenn sie uns streiten hört?* schrie meine Mutter wieder. Langsam erhob ich mich und lief zu meinem Kleiderschrank um mir neue Sachen raus zusuchen. Schnell und ohne von meinen immer noch streitenden Eltern gesehen zu werden, huschte ich ins Bad. Wollte duschen, mich aus meinen dreckigen Klamotten befreien. Das warme Wasser rieselte auf mich hinab. Ich schloss die Augen und lauschte dem plätschernden Geräusch. Ab und zu hörte man aus der Küche ein klirrendes Geräusch, aber es war ja nicht mein Geld von dem sie uns neue Teller kauften, wenn alle anderen an der Wand zersprungen waren. Nach dem ich fertig geduscht und geschminkt war, stolperte ich runter in die Küche, öffnete die Tür und sah grade noch wie mein Vater ausholte und meiner Mutter mitten ins Gesicht schlug. Wie angewurzelt bleib ich stehen, blickte geschockt zu meinem Vater, der mich ebenso geschockt anstarrte. Mein Mutter war gegen den Kühlschrank gestoßen worden und ließ sich jetzt an diesem hinab sinken. Aus ihrer Nase floss Blut, viel Blut.
* Kim ich-* mein Vater brach den Satz ab, ich starrte ihn immer noch an. Sollte dass jetzt Alltag werden? Sollte es normal für mich werden wenn meine Eltern sich schlugen? Vielleicht schlugen sie ja auch mich irgendwann. Bei dem Gedanken wurde mir schlecht und ich bekam Panik, aber der Gedanke war ja nicht wirklich abwegig, wenn er meine Mutter schlug. Wieso nicht auch mich? Geschockt von meinen eigenen Gedanken wich ich ein stück vor meinem Vater zurück, der aber stürmte nur an mir vorbei. Kurze Zeit später hörte ich die Tür ins Schloss fallen und meine Mutter die immer noch am Boden saß fing an zu jammern:* Kind, dass ist alles ganz anders, du weißt doch wie sehr Papa und ich uns Lieben. Aber streit kommt doch in den besten-* Ich spürte wie die Wut in mir hochkam.
* Sei still, willst du dass es ewig so weiter geht? Willst du dass er dich irgendwann tot prügelt,* schrie ich und ohne auf eine Antwort zu warten rannte ich aus dem Haus. Durch den Wald an die Stelle an der ich gestern die Gruppe von Jungs gesehen hatte. Hoffentlich sind sie noch da, war alles was ich dachte und so rannte ich durch den Wald, fiel hin, stand wieder auf, schnitt mir die Wange auf als ich durch ein paar Büsche rannte und stolperte schließlich völlig aus der Puste auf die Brücke zu, auf der, wie ich gehofft hatte die Gruppe von Jungs saßen und sich halblaut unterhielten.

 

Kapitel 5

* Wen haben wir denn da,* fragte der ältere, der mir gestern den Stoff angeboten hatte. Er setzte ein grinsen auf, welches allerdings sofort verblasste als er sah wie fertig ich war.
* Du blutest,* mit diesen Worten sprang er auf, packte mich an den Schulter und drückte mich neben seine Freunde auf den Boden.
* Ich bin übrigens Mille, was hast du da gemacht?* Er redete wie ein Wasserfall, dabei wollte ich mich gar nicht mit ihm unterhalten. Ich wollte nur Heroin. Ich hatte mal irgendwo gelesen dass diese Droge einen wieder glücklich machen könnte. Und ich würde das Zeug sowieso nur einmal- und dann nie wieder nehmen. Mille tupfte mit einem Taschentuch in meinem Gesicht rum, während er mich an den Schultern leicht an das Geländer an welchem ich lehnte drückte.
* Was du da gemacht hast hab ich gefragt,* wiederholte er seine frage und riss mich aus meinen Tagträumen. *Ich bin hier her gerannt und durch den Dornenbusch gerannt,* murmelte ich und entzog meinen Kopf seinem Griff.
* Wieso bist du überhaupt schon wieder hier? Bist du nicht gestern noch vor uns weg gerannt?* Fragte einer der anderen. * Schnauze Benni,* fuhr Mille ihn aber sofort an sodass ich zusammen zuckte.
* Ich… also… gestern da… da hattet ihr… also und ich… also… ich wollte fragen ob ihr mir was von eurem Zeug gebt,* die Wörter kamen wie aus der Pistole geschossen und die Jungs hatten anscheinend Schwierigkeiten mir zu folgen. Doch dann sah ich wie Milles blick sich aufklärte und er mich einen Moment lang Misstrauisch und dann ehr besorgt anschaute.
* Das war eigentlich gestern nicht ernst gemeint. Das Zeug, bedeutet früher oder später deinen Tod,* während er mir das sagte stand er auf und lehnte sich über das Geländer um in den Bach zu spucken.
* Was ist denn passiert dass du es anscheinend so nötig hast in eine andere Welt zu fliehen?* fragte er und ließ sich wieder neben mich auf den Boden fallen. Und so erzählte ich alles. Angefangen vom Tod meiner Schwester bis zu meiner Mutter die auf dem Küchenboden gelegen hatte. Mille hörte mir zu und ich fühlte mich verstanden. Und letztendlich ließ er sich breitschlagen und ich bekam die Chance auf den Einblick in eine neue Welt.

Kapitel 6

Ich sollte genau hinsehen wie es ging, hatten die Jungs mir vorher eingeredet. Mille setzte die Nadel an, und stach zu. Ganz langsam bohrte sich das kalte Eisen durch seine Vene. Angeekelt schaute ich weg.
* Na du musst schon hingucken, sonst kriegst du nichts,* lachte Benni und drehte meinen Kopf wieder in Milles Richtung sodass mir gar nichts anderes übrig blieb als hin zu sehen. Nachdem er die Nadel dann wieder rausgezogen hatte, ließ er sich erschöpft gegen die Gitterstäbe fallen.
* Der saß,* keuchte er und schloss genüsslich die Augen. Ich schaute ihn nur angewidert. An. Hin- und her gerissen. Sollte ich den Schritt wagen? Aber ich konnte es ja auch lassen wenn es mir beim ersten mal nicht gefallen sollte, so redete ich mir mut zu und beobachtete 2 der anderen Jungs die sich das weiße Pulver spritzten. Dann allerdings war ich an der reihe. Sollte ich? Ich schloss einen Moment die Augen, griff zu der kleinen einwog spritze, band mir das dreckige Tuch um den Arm um mein Blut abzuklemmen und setzte die Nadel mit zitternden Fingern an.
* Na komm ich mach,* hauchte Mille, der mich mit großen Augen anschaute. Seine Bewegungen waren langsam und so spürte ich klar und deutlich wie das verdünnte Heroin unter meine Haut floss. Rein in die Vene, zwischen das Blut. Ich stöhnte auf. Hatte das Gefühle jede einzelne Ader in meinem Körper würde jeden Moment explodieren. Mein Kopf wurde schwer und ich fiel in einen tiefen schlaf. Ich wusste nicht wie lange ich dort auf dem Boden gelegen hatte, aber als ich aufwachte und die Augen öffnete war es stock dunkel. * Ach, du wachst auch noch mal auf?* lachte Benni, in dessen Schoß ich lag. Mir war schlecht, mein Kopf tat mir weh. Unbewusst fing ich an zu weinen. Ich hatte weder irgendwelche Glücksgefühle gespürt, noch ging es mir jetzt besser, ehr im Gegenteil. Ich hatte schmerzen und das sagte ich dann auch.
* Nimm dass, das hilft,* Mille reichte mir eine kleine weiße Tablette.
* Was ist dass?* Ohne auf antwort zu warten schluckte ich die kleine Pille.
* LSD, dass hilft auf jedenfalls,* lachte einer der Jungs. Er sollte recht behalten denn schon nach knapp 10 Minuten strahlte ich wie ein Honigkuchenpferd und war einfach froh die Jungs kennen gelernt zu haben. Wir liefen durch die kleine Innenstadt, lachten und grölten. Ich lachte… hatte spaß… und vergaß meine Schwester. Ja, ich dachte an nichts, mein Kopf war frei.
* Komm,* Benni griff nach meiner Hand und wir rannten hinter den anderen her.
* Ich bin frei,* kreischte ich und Tränen stiegen mir in die Augen. Den ganzen Abend verbrachte ich mit den Jungs und erst als es schon lange dunkel geworden war, machte ich mich auf den Weg nach Hause. Es störte mich nicht dass meine Eltern stritten. Es störte mich nicht dass sie mich anschrieen wo ich so lange geblieben war. Ich wollte nur schnell schlafen, um so schnell wie möglich wieder bei den Jungs zu sein. Bei meinem Benni, bei dem wunderschönen Gefühl.
* Kim, wo warst du?* Die stimme meiner Mutter war brüchig, doch ich gab keine Antwort, zog mir die Decke bis über den Kopf und schloss die Augen.

 

Kapitel 7

Als ich am nächsten Morgen in den Spiegel starrte, dachte ich, mich trifft der Schlag. Meine langen blonden Haare, die ich so liebte, so pflegte, klebten an meiner Stirn, meine braunen Augen waren blutunterlaufen und meine Lippe war aufgerissen. Egal. Ich sprang unter die Dusche, richtete mich einigermaßen wieder her und machte mich auf den Weg zur Schule, bog allerdings nicht auf die Hauptstraße ab, sondern rannte den Feldweg zur Brücke entlang. Wollte dieses Gefühl wieder haben. Wollte noch mehr als dass, ich wollte mich erneut an Heroin versuchen, das Gefühl, welches ich gestern verschlafen hatte, endlich spüren. Benni, half mir und schon nach knapp 15 Minuten spürte ich ein unbeschreiblich schönes Gefühl in mir aufkommen. Ich fühlte mich wie neugeboren, fühlte mich frisch, aber nicht, so wie beim LSD irgendwie aufgeputscht. Ich war ganz ruhig, entspannt, aber glücklich. Ich beibrachte den Tag mit Benni. Die anderen Jungs wollten in die Stadt, wir aber blieben im Taufeuchten Gras unter der Brücke liegen und erzählten uns von unseren Träumen.
* Und irgendwann, werde ich berühmt. Dann nehme ich meine eigene CD auf, dann wird alles besser,* lächelte ich und kuschelte mich noch näher an ihn. * Und dann kann ICH sagen, ey, ich hab schon mit der selben Nadel wie sie gedrückt,* lachte Benni, und so ging es weiter. Den ganzen Vormittag. Bis ich um halb Vier wieder nach Hause ging, meine Eltern sollten ja nicht merken dass ich nicht zur Schule gegangen war. Die Drogen sollten vorerst mein kleines Geheimnis bleiben. Mit einem riesen großen lächeln, schloss ich die Haustür auf… um dann fest zu stellen dass meine Eltern gar nicht stritten. Ich muss kurz auflachen, warf im vorbeigehen einen Blick in die Küche und sah meine Mutter am Herd stehen. * Schatz, ich hab Spaghetti gekocht, sind gleich fertig,* heuchelte sie.
* Au ja, ich hab Arsch Hunger,* lachte ich und meine Mutter drehte sich verwundert zu mir um.
* Du hast was?* * Hunger,* nickte ich eifrig, ja sie hatte ein gutes Recht drauf verwundert zu sein. Ich hatte schon lange nicht mehr richtig gegessen. Seit dem das mit Pia passiert war. Und so saßen wir in der Küche, ich aß bereits meinen dritten Teller Spaghetti und meine Mutter warf mir immer wieder schiefe Blicke zu.
* Wie war die Schule?* fragte sie irgendwann. Ich nickte nur, war in Gedanken schon wieder ganz wo anders.
* Alles okay bei dir?* Wieder bekam sie nur ein verträumtes nicken als Antwort. Ich lächelte sie noch einmal bestätigend an und verließ das Zimmer. In meinem Zimmer schaute ich in den Spiegel, sah einen anderen Menschen. Meine Haare standen wild zu allen Seiten meines Kopfes ab, erinnerten stark an die Frisur von dem Sänger Bill Kaulitz. Ich lächelte. Meine Augen waren leer und hatten trotzdem einen gewissen Glanz. Den Glanz meiner Träume? Ich wusste es nicht. Aber es war mir im Endeffekt auch egal, er war da… und verlieh meinen Augen etwas mystisches, wie ich fand. Ich ließ mich auf mein Bett fallen und schloss die Augen. Lauschte dem Geräusch der Autos, die an unserem Haus vorbei fuhren. Lauschte meinem Atem, der unregelmäßig aber dennoch schnell war, bis ich einschlief.

Kapitel 8

Die nächsten tage verliefen nicht anders, ich traf mich jeden Vormittag mit den Jungs, hatte spaß. Meine Mutter freute sich, begriff nicht dass meine gute Laune nicht aus dem nichts, sondern durch Drogen kam. Bis dann das Karnevalszelt in unserem Dorf aufgebaut wurde. Das Karneval mein Leben erneut verändern sollte, wusste ich nicht als ich mit Benni auf der großen Wieso hinter dem zelt saß und verträumt zwei kleinen Kindern beim spielen zuschaute. Ich war völlig high, bekam nicht mit, wie die Menschen um uns rum uns musterten. Ab und zu, warf ich einen Blick zu Benni, der einen Arm um mich gelegt hatte.
*Irgendwann will ich auch Kinder haben,* hauchte ich, warf einen letzten Blick auf die beiden lachenden Kinder und drehte meinen Kopf gen Himmel. Das betäubende Gefühl, welches die Drogen auslösten ergriff nun die überhand und so spürte ich erst nach ein paar Minuten, dass Benni sanft meinen Hals küsste.
* Kannst du haben,* mit diesen Worten half er mir hoch, zog mich Richtung der kleinen Hütte die abseits der Wiese stand und ich erlebte den schönsten Abend meines Lebens.
* Ich liebe dich,* waren Bennis Worte, ehe wir uns an diesem Abend verabschiedeten. Dass es die letzten sein würden, die er je zu mir sagen sollte, wusste ich nicht. Hätte ich es jedoch gewusst, hätte ich den letzten Kuss mehr genossen. Doch ich sah Benni nicht mehr. Niemand sah ihn. Ich kümmerte mich nicht drum, wusste dass er wiederkommen würde. Immer mehr Drogen konsumierte ich zusammen mit Mille und den anderen. * Kim, wo bist du gewesen?* Tränen glitzerten auf den sonst perfekt geschminkten Wangen meiner Mutter. Die letzten 3 Tage hatte ich mich nicht blicken lassen. Hatte gefeiert, gechillt, geklaut.
* Ich war nach der Schule immer bei einer Freundin,* hauchte ich, in der Hoffnung dass sie nicht hörte wie meine Stimme zitterte.
* Ja, deine Tasche brauchtest du ja nicht für die Schule oder? Und gesehen, hat dich dort auch niemand. Schon seit 2 Wochen nicht mehr,* schrie sie, ließ mich zusammen zucken und zum ersten mal seit 3 tagen, hatte ich die Realität wieder vor Augen. Doch ich erwiderte nichts, wusste nicht was ich zu meiner Verteidigung sagen sollte. Drehte mich um, lief in mein Zimmer und schlief kurz darauf weinend, zitternd und der Realität wieder ein Stückchen näher, ein.

// Das Kind schläft tief. Ab und zu zuckt es zusammen. Schluchzte leise auf. Will niemandem zeigen wie sehr sie leidet. Will niemandem zeigen dass es Liebe will. Die Mutter kniet an ihrem Bett. Tränenüberströmt streicht sie dem blonden Mädchen durch das Haar. Macht sich vorwürfe. Was hat sie falsch gemacht? Wieso redet ihre Tochter nicht? //

 

Kapitel 9

* Benni… ist… er.. Hat… er… Benni ist … tot,* dass letzte Wort welches Mille mir entgegen hauchte, nahm ich nicht mehr war. Mein Blick verschwamm. Ich blickte zurück, zurück auf die Brücke, auf der Benni und ich uns kennen gelernt hatten.
* Es tut mir leid,* damit ließen die Jungs mich alleine. Und ich stand da, wusste nicht wohin, wohin mit meinen zerplatzten Träumen. Wohin mit meiner Angst. Ich hatte es Mittlerweile zu weit getrieben, dass wusste ich. Ich konnte nicht mehr ohne Heroin, ich fing an zu zittern, weinte, schrie manchmal vor schmerzen, wenn ich meinen Stoff nicht regelmäßig bekam. Ich spürte wie meine Beine nachgaben und ich unsanft auf den harten Waldboden fiel. Hemmungslos fing ich an zu weinen, schluchzte. Irgendwann wurde mir schwarz vor Augen.
* Lüg mich, nie wieder an, bitte. Ich hätte dir doch geholfen. Man Schatz, du hast mir doch früher auch alles gesagt,* hörte ich die leise-, brüchige Stimme meiner besten Freundin Mimi. Ich öffnete die Augen, obwohl ich starke Schmerzen hatte, einen klotze kleinen Spalt. Als Zeichen, dass ich wieder da war. Mimi stieß einen leisen Seufzer aus als sie mich sah, drückte meine Hand und lächelte aufmunternd:* Wir schaffen dass,* hauchte sie und ich spürte ihre Lippen ganz kurz auf den meinen. Man konnte sagen, Mimi und ich waren Seelenverwandt. Wir hatten uns immer alles gesagt, auch als meine Schwester noch gelebt hatte. Sie war meine wichtigste Bezugsperson… bis dann dass mit den Drogen anfing. Ich hatte sie völlig aus den Augen verloren. Und jetzt lag ich hier… in irgendeinem Krankenhaus, an tausende Kabel angeschlossen. Und die treue Seele, die saß neben mir und hielt meine Hand. * Ich hab dich lieb,* mein Hals tat höllisch weh, meine Stimme war kratzig… aber ich musste es ihr einfach sagen:* Es tut mir so leid, ich wollte nicht alles kaputt machen.* Mimi, die immer noch meine Hand drückte, schluchzte auf und drehte sich weg. * Ich hätte dir doch geholfen,* schluchzte sie… und ich wusste, die Tränen die sie da vergoss, hatte ich zu verantworten. Das Leid, welches sie ertragen musste, hatte ich verursacht… und ich konnte nichts dagegen tun außer vorsichtig meine Hand auszustrecken und ihr über den Rücken zu streichen.

 

Kapitel 10

* Zusammen schaffen wir dass,* hauchte sie ein weiteres mal und ich spürte, wie meine Kehle sich zuschnürte. Wollte ich es denn überhaupt ein zweites mal schaffen?
* Ich will hier raus,* und mein Wille, geschah. Nach 3 Tagen und einer Einverständnis Erklärung meiner Eltern durfte ich nach Hause. Und so lief ich schon nach 3 Tagen wieder über die Felder, träumte vor mich hin. Träumte vom Glück, der großen Liebe, Freiheit… Ich hatte mir vorgenommen der Brücke fern zu bleiben. Zu viele Erinnerungen. Zu viel Trauer. Ich hatte Benni nicht vergessen… so starrte ich in den Himmel. Suchte nach dem, was mich die schmerzen vergessen lassen hatte. Aber da war nichts, nur leere. Ich wusste dass Drogen niemals ein Ausweg gewesen waren, ich wusste es, und trotzdem war es ein schönes Gefühl gewesen. Frei und… Sorgenlos?! Immer noch starrte ich beim gehen in den Himmel.
Weinte stumm, während meine Hände sich krampfhaft in meiner Jackentasche zu Fäusten geballen hatten.
* Entschuldigung, wo geht’s denn hier Richtung innen Stadt?* Eine ruhige Stimme, ließ mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Einen Moment verwirrt, starrte ich meinem Gegenüber ins Gesicht.
* Äh… achso… ehm… immer da grade aus, an der Hauptstraße rechts, dann ist dass alles Ausgeschildert,* hauchte ich. Der Junge der mir gegenüber stand und keine Anstallten machte zu gehen, musterte mich gründlich. Anscheinend waren ihm meine Tränen aufgefallen. Aber ich wollte nie wieder mit einem anderen Junge reden als mit Benni. Der Junge hatte kein recht darauf mich zu bemitleiden.
* WAS? Hast du noch nie jemanden gesehen der nicht mehr Leben will?* fuhr ich ihn deshalb an, drehte mich um und rannte so schnell ich konnte. Erst als ich in unsere Einfahrt abbog, merkte ich dass ich nach Hause gelaufen war. Vielleicht besser so, wer weiß was ich getan hätte, schoss es mir durch den Kopf.
* Wieder da,* mit diesen Worten stieg ich die Treppe hoch und verkroch mich in meinem Zimmer. Mira war im Krankenhaus nicht von meiner Seite gewichen. Sie hatte Schule… und ich wusste dass auch ich mich nicht mehr lange drücken konnte. Aber wovor hatte ich Angst? Vor Kommentaren? Vor komischen Blicken? Oder einfach nur vor dem Alltag?

 









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