Weißt du, was Liebe ist?
HomeGuestbookArchiveAboAboutContactCopyrightLinksHost
Wichtig!PrologCharaktere1.-10. Kapitel11.-20. Kapitel21.-30 Kapitel31.-40. Kapitel41.-50. Kapitel51.- 60. Kapitel61.-70. Kapitel71.-80. Kapitel81.-90. Kapitel91.-99. Kapitel
100. Kapitel101.-110. Kapitel111.-120. Kapitel121.-130. Kapitel131.-132. Kapitel133.-134. Kapitel135.-136. Kapitel137.-138. Kapitel139.-140. Kapitel141.-142. Kapitel143.-144. Kapitel145.-146. Kapitel147.-148. Kapitel149.-150. Kapitel151.-152. Kapitel153.-154. Kapitel155.-156. Kapitel157. Kapitel

Jubiläum
Jubi Story zum 100. Kapi

Other Storys
Hilf mir fliegen1. Teil 'Weil du mir ihr Herz hinterlässt'


Kapitel 11

Aber mein eigentliches Problem war doch, dass ich immer weglief. Vor Problemen… vor dem eigentlich wichtigen verschloss ich mich. Einfach aus Angst vor der Wahrheit. Gedankenverloren griff ich nach dem Foto von meiner Schwester. Strich mit der Fingerspitze über ihr Abbild. Es musste weiter gehen… und ich hatte mir geschworen etwas aus meinem Leben zu machen. Ich hatte mir fest vorgenommen meinen Traum vom Star sein wahr zu machen. Und bald konnte ich damit anfangen, denn Mimi hatte mir erzählt dass die Schulband, in der ich ja nun mal sang, einen Auftritt vor einem Gast hatte, den die Schule in ein paar Tagen erwartete. Dafür musste ich fit sein, so brachte Mimi mir sämtliche texte die ich zu lernen hatte, und gemeinsam, sie an der Gitarre, spielten wir die Songs, bis ich jedes Wort auswendig wusste.
* Hab kein Bock mehr,* hauchte ich irgendwann, zurückhaltend. Ich war gegenüber allen Menschen vorsichtiger geworden. Ich wollte zu niemandem eine wirklich feste Bindung, denn ich wusste, wie sehr es wehtat wenn diese Bindung brach. Nicht nur durch meine Schwester und Benni hatte ich dieses leid ertragen müssen.
* Okay, dann sehn wir uns morgen in der Schule,* lächelte sie, drückte mir einen Kuss auf und ging. Erleichtert saß ich wenig später auf dem Boden und sortierte meine Schulsachen. Immerhin war es schon lange her gewesen, als ich dass letzte mal da gewesen war.
* Kim, steh auf, Mensch Kim, mach schon,* meine Mutter stand in der Tür. Da ich zu ihr aufschaute, musste ich immer noch auf dem Boden liegen. Tatsache, ich war mal wieder auf dem kalten Boden eingeschlafen. Also ging es nur für eine Katzenwäsche unter die Dusche, schnell grob geschminkt, Haare gestylt und ab ins Auto. Meine Eltern bestanden darauf mich zur Schule zu bringen, aus Angst, ich könnte erneut schwänzen. Im Auto war es still, meine Mutter und ich hatten uns nicht wirklich viel zu sagen und so starrte ich die ganze zeit Gedankenverloren aus dem Fenster, auf die vorbei sausenden Bäume. In der Schule wurde ich sofort von Mimi begrüßt. Andere Leute hatte ich hier ja nicht. Niemand wollte etwas mit mir, dem verrückten Mädchen, etwas zu tun haben. Es ging sofort in einen der Musikräume, in denen wir ein letztes mal Probten. Uns wurde gesagt, wir sollten anfangen zu spielen, sobald die Gäste den Raum betraten. Und so geschah es, kaum hatte sich die Tür geöffnet, begann die Band zu spielen. ‘ My Immortal’ von Evanescence. Ich schloss die Augen. Fühlte die Musik, spürte, wie ich in ihr zu versinken schien. Und dann begann ich zu singen. Leise, gefühlvoll. Eine Hand hatte ich ans Mikrofon gedrückt, die andere lag locker in meinem Schoß. Während ich sang, zogen die Bilder der letzten Wochen ein weiteres mal an mir vorbei. Ich sah Benni, seine eisblauen Augen die unter seinem schwarzen Ponny kaum zu sehen waren. Sein Lippenpircing, der leicht wackelte wenn er sprach. Ich sah Pia, wie sie mir ein letztes mal zu lächelte, bevor sie für immer verschwand. Ich sah Mimi, wie sie weinte… und ich wusste, dass all diese Erlebnisse, all diese Momente, niemals in Vergessenheit geraten würden. Erste Tränen bahnten sich ihren Weg Richtung Boden, doch ich sang weiter. Schöner, als ich je in meinem Leben gesungen hatte. Regen plätscherte an die Scheiben, ein letztes mal, sang ich den Refrain, die Band war verstummt. Mühevoll öffnete ich meine Augen, wischte mir die übrig gebliebenen Tränen vom Gesicht und starrte in wunderschöne Augen. In Augen, die ich schon einmal gesehen hatte…

 

Kapitel 12

Bills Sicht: Vorsichtig und darauf bedacht keinen Lärm zu verursachen, ließ ich mich auf einen der viele Stühle fallen. Ließ dass blonde Mädchen nicht aus den Augen, während ich ihrer sanften Stimme lauschte. Sie sang mit so viel Gefühl, dass man denken konnte, sie hätte diesen Song selber geschrieben… Während ich ihrer Stimme lauschte sah ich, wie dass Mädchen anfing zu weinen, ihre Stimme allerdings, blieb genauso gefühlvoll, genauso schön wie schon am Anfang. Als der Song endete und sie ihre Augen öffnete, traf mich fast der Schlag. Das Mädchen welches ich vor ein paar Tagen im Wald gesehen hatte, dass Mädchen welches so geweint hatte. Ihr blick war starr auf mich gerichtet und sie schien sich zu erinnern, weshalb sie beschämt auf den Boden sah und wartete bis ihre Lehrerin dass Wort ergriff und anfing über die Schulband zu erzählen. Ich warf immer wieder heimliche Blicke auf das Mädchen, immer wenn sie zurück sah, schaute ich allerdings wieder schnell weg. Sie war wirklich hübsch. Sie schien ein fröhliches Mädchen gewesen zu sein, denn ihre Augen trugen immer noch einen gewissen Glanz. Allerdings schien sie irgendetwas zu belasten, irgendetwas, was ich unbedingt erfahren wollte.
* Kim, vielleicht erzählst du mal wie du auf die Idee gekommen bist zu singen,* wollte David dann irgendwann wissen und unterbrach somit die plappernde Lehrerin. Das blonde Mädchen, Kim, hob den Kopf, anscheinend verwundert dass man sie ansprach.
* Ich hab immer schon gerne gesungen. Meine Schwester.. Also… meine Schwester Pia konnte Gitarre spielen und wir wollten immer schon spielen. Also live. Und die Schulband war eben irgendwie… ein guter Anfang,* ihre Stimme klang unsicher und verletzlich. David nickte nachdenklich, während er Kim musterte.
* Hast du eigene Songs?* Kim nickte schüchtern.
* Hast du Lust mal etwas mit deiner Schwester zu spielen?* David hatte anscheinend gefallen an Kim gefunden. An ihrer Stimme…?! Doch Kims Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig. Geschockt blickte sie zu David, welcher sie nur anlächelte. Unpassend, wie ich fand, denn Kims Gesichtsausdruck wurde immer trauriger, bis sie irgendwann hauchte:* Meine Zwillingsschwester ist tot,* sie presste die Lippen auf einander. Wunderschön geschwungene Lippen, zartes rot.. Wunderschön. Ich warf einen Blick zu Tom, der genau im gleichen Moment zu mir sah. Kim hatte ihre Zwillingsschwester verloren. Deshalb hatte sie gesagt, sie wolle nicht mehr leben.
* Aber ich… ich… ich würde gerne… was… also von meinen Lieder etwas vor singen,* hauchte sie und quetschte ein lächeln auf ihr Gesicht, vielleicht um die Situation etwas auf zu lockern.

 

Kapitel 13

Kims Sicht:

Dass lächeln, welches mir äußerst gut gelungen war, wie ich fand, schwand sofort als ich sah wie Bill und Tom blicke tauschten. Was gabs denn da zu gucken bitte? David gab mir ein Zeichen, ich solle anfangen wenn ich bereit war. Mimi sah mich nur fragend an:* Welchen Song?* Mimi kannte natürlich alle meine selbst geschriebenen Sachen, sie war die erste die so etwas lesen durfte, seit Pia nicht mehr war.
*Mh… ich wäre für… mh… wie wär es mit ‘Kartenhaus’?* Das Lied hatte ich geschrieben als ich von Bennis Tod erfahren hatte. Mimi nickte und fing an die ersten takte zu spielen. Mein blick senkte sich, meine Hände fuhren nervös über meine Beine und strichen den Tüll-Rock glatt.

* Ich such nach dem, was mich vergessen lässt,
dass es in meinem Leben dunkel ist,
und dass die Nacht den Tag besetzt
und mir keinen Funken Licht mehr lässt.
Mir fehlt nichts und doch fehlt mir viel,
ich bin zu schwach um noch mal aufzustehen
und zu stark um hier zu liegen. Jetzt bin ich aufgewacht,
halt das Licht in meinen Händen, hab schon nicht mehr dran gedacht, dass sich das Blatt noch mal wendet.
Du hast mein Leben neu gemacht,
steckst mich an mit deiner Kraft,
du machst alles so lebenswert,
ich will mich nicht dagegen wehren.
Du hast eine Kerze aufgestellt,
und bringst das Licht in meine Welt,
machst mein Leben zum Kartenhaus,
auf dir aufgebaut.
Wie jedes Wort eine Stimme braucht, wie der Mond in jede Nacht eintaucht,* ich brach ab. Blickte zu David, welcher mich interessiert musterte. Wie ein Tier welches er auf dem Vieh- Markt verkaufen wollte. Bill hatte seine Augen gen Boden gerichtet, Tom und Georg sahen sich wissend an und Gustav beobachtete mich. Mimi legte ihre Gitarre beiseite und sah mich fragend an:* Wieso spielst du nicht weiter?* Ich schüttelte nur kurz den Kopf:* Es tut mir leid,* damit brach ich auf dem Boden zusammen. Unter einem Weinkrampf saß ich am Boden, den Kopf in die Hände gestützt.
* Sie, ihr… also es geht ihr nicht so gut,* hauchte Mimi und ich hörte leises Gemurmel.
* Kim, dass war wirklich toll,* quiekte meine Lehrerin, schien gar nicht zu bemerken dass ich am Boden saß und weinte. Jemand griff meine Hand, zog mich hoch und zog mich nach draußen. Wir liefen durch die Mensa, raus auf den leeren Schulhof. Die Hand, welche meine umschlossen hatte, war warm und hatte anscheinend nicht vor mich los zulassen. Wir ließen uns auf eine Bank nieder, ich zog meine Beine an und legte den Kopf auf meine Knie. Weinte stumm.
* Ich, ich kann mir vorstellen wie schwer es gewesen sein muss, als deine Schwester gestorben ist,* schock. Seine stimme, ganz nah an meinem Ohr. Ich zuckte zusammen. Wollte den Kopf nicht heben, wollte seine Stimme nicht hören. Und Bill schien Gedanken lesen zu können, denn er war still, hielt nur meine Hand bis…:* Bill, kommst du? Wir müssen los.* Die Stimme ordnete ich David zu, und tadaaa, als ich den Kopf hob, stand genau dieser vor mir.
* Danke Kim, ich melde mich auf jedenfall bei dir, deine Nummer hab ich mir schon geben lassen,* lächelte er. MONSTER! In Gedanken malte ich mir aus, wie David irgendwann qualvoll sterben würde. Diese Vorstellung wiederum lies mich lächeln, woraufhin Bill, welcher aufgestanden war, mir noch einen aufmunternden Blick schenkte, ehe er hinter David her wackelte.
* Tschüss Bill,* hauchte ich und wischte mir eine letzte Träne aus dem Gesicht.

// Das Mädchen sitzt auf der Bank, draußen, auf dem Nebeligen Schulhof. Der schwarzhaarige Junge, welcher bis eben noch ihre Hand gehalten hat, geht mit gesenktem Kopf hinter einem Mann her, der wild gestikulierend auf ihn einredet. Das Mädchen steht auf und verschwindet in dem großen Gebäude, aus welchem sie aber nach weiteren 10 Minuten wieder herauskommt. Ohne sich noch einmal um zu drehen geht sie mit schnellen Schritten am Waldrand entlang. Sie will einfach nur noch nach Hause.//

 

Kapitel 14
* Was machst du denn hier?* Meine Mutter stand in der Tür und blickte misstrauisch auf mich hinab. Ich saß auf dem Boden um aus meinen Schuhen besser raus zu kommen.
* Hatte frei,* grummelte ich, warf meine Chucks in die Ecke und stiefelte die Treppe hoch, verkroch mich in meinem Zimmer und versuchte einen klaren kopf zu fassen. Ich hatte grade eine ernsthafte Chance auf einen eigenen Song?! Ich hatte grade vor David Jost vorgesungen und er fand mich gut?! Ich hatte die Chance meinen Traum wahr zu machen und es somit jedem zu zeigen. Vielleicht sollte ich mal wieder etwas aus mir raus gehen?! Ich wusste es nicht. Stattdessen ließ ich mich in meine Kissen fallen und gähnte ausgiebig. Das war alles zu viel für mein kleines Hirn, dachte ich und musste lachen. Drehte mich auf die Seite und schloss die Augen, sog den Geruch welchen meine Kissen ausstießen ein. Es roch gut, irgendwie, frisch?! Nicht mal dass wusste ich. Ich streckte mich ein letztes mal, ließ die Augen allerdings geschlossen.
* Müde,* grummelte ich und kurze zeit später war ich eingeschlafen. Dass meine Eltern unten schon wieder lautstark stritten, störte mich nicht.
\ ‘ Gib niemals auf, er will dir helfen’ // Mit diesen Worten im Ohr und dem Bild von Benni vor den Augen wachte ich schweißgebadet auf, da meine Mutter dass Zimmer betreten hatte. Es war immer noch hell draußen… oder schon wieder? Als ich auf die Uhr sah traf mich der Schlag, es war halb 1, am Mittag. Ich hatte den gestrigen Tag komplett verschlafen. Und heute war doch Schule oder? Völlig verpeilt blickte ich zu meiner Mutter.
* Du musst nicht, es ist Samstag,* lachte sie nachdem ich sie fragend angesehen hatte. Achja… ja Samstag. Ich schüttelte den Kopf, stand auf und hüpfte ins Bad. Ja ich wollte mal wieder Baden und dabei entspannen. So saß ich eine viertel stunde später im heißen Wasser, umgeben von weißem duftendem Schaum und konzentrierte mich auf die Musik die aus meinem i-pod drang. Was war dass für ein Traum gewesen? Immer wieder wanderten meine Gedanken zurück zu diesem Traum, doch ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern was passiert war. Nachdem ich vollkommen fertig war, stieg ich in meine Jogginghose, zog mir ein T-shirt über und machte mich auf den Weg nach draußen. Obwohl wir es erst Mitte Februar hatten war es unglaublich warm und ich hatte zeit in der Natur, welche ich liebte, ein bisschen Nach zudenken. Ich lief durch den Stadtpark welcher völlig verlassen war, als ich Mimi traf. Sie beschloss mich zu begleiten und so liefen wir über die Wiesen und alberten rum. Zum ersten mal seit langem, hatte ich dass Gefühl frei zu sein, ohne aber Drogen genommen zu haben. Mir wurde klar, wie unglaublich wichtig mir Mimi war, SIE war meine Droge, sorgte für andere Gedanken, fing mich auf wenn es mir schlecht ging… * Was hast du mit Bill geredet als ihr draußen wart?* Wir hatten uns zusammen auf eine Bank in die Sonne gelegt und ich starrte verträumt in den Himmel während ich beschrieb wie wir draußen gesessen hatten.
* Schön,* ich wusste dass Mimi sich unglaublich freute, aber ich machte ihr deutlich, dass ich niemanden je so sehr lieben würde wie ich Benni geliebt hatte, denn auch, wenn wir uns nicht sonderlich lange gekannt hatten, war da eine ganz besondere Bindung zwischen uns und mein herz, sollte nur ihm gehören. Eine knappe stunde lagen wir zusammen gequetscht auf der Bank und redeten bzw. schwiegen uns an, als mein Handy klingelte….

 

Kapitel 15

*Ja?* Meine Stimme war ein bisschen heiser. So viel gelacht hatte ich schon lange nicht mehr.
* Kim?* Meine Mutter war am anderen Ende der Leitung, sie klang nervös und aufgeregt, weswegen ich sie sofort fragte was passiert sei.
* Hier hat grade jemand angerufen, Mensch Kim, wieso erzählst du mir so etwas denn nicht?* kreischte sie und ich zog interessiert eine Augenbraue hoch. Jemand hatte angerufen? Deshalb rasstete sie so aus? * Uuuund… wer hat angerufen?* Mimi warf mir einen fragenden Blick zu und ich stellte den Lautsprecher an.
* Ein gewisser Herr… Moment ich hab es mir notiert,* ich hörte Papier knistern:* Ein gewisser Herr Jost, er möchte Probe aufnahmen mit dir machen. Mensch wieso erzählst du mir so etwas denn nicht?* ich hörte Freude in der Stimme meiner Mutter, allerdings klang sie auch besorgt und ein bisschen beleidigt weil ich ihr nichts von meinem gestrigen Treffen erzählt hatte.
* Ehm,* mehr wusste ich in diesem Moment nicht zu sagen. Niemals hätte ich damit gerechnet dass dieses Monster von Manager sich noch mal meldet.
* Du sollst, in den .. In den Oster Ferien, also da bring ich dich nach Hamburg. Aber Fräulein, wir reden da noch mal drüber wenn du zu Hause bist,* sagte sie streng, verabschiedete sich und legte auf. Trotz ihres strengen Untertons wusste ich aber, dass sie mir niemals verbieten würde eigene Aufnahmen zu machen. Sie wusste, dass ich es nicht leicht gehabt hatte, immerhin war sie meine Mutter.
* Oh Gott,* quietschte Mimi als ich aufgelegt hatte. Ich blickte geschockt auf mein Handy. Hatte ich dass grade geträumt? Ich schüttelte kurz den Kopf ehe ich mich an Mimi anlehnte.
* Glaubst du… glaubst du ich darf da echt vorsingen?* fragte ich vorsichtig und spürte wie Mimi kräftig nickte.
* Hallo? Das ist deine Chance süße,* quietschte sie und hob meinen Kopf von ihrer Schulter um auf zustehen. * Komm wir gehen zu dir, ich will hören was deine Mutter dazu sagt,* damit griff sie meine Hand und im Eiltempo liefen wir zu mir nach Hause. Was mich da allerdings erwarten sollte, wusste ich noch nicht als ich nachdenklich neben Mimi herlief.

 

Kapitel 16

* Verdammt es ist ihr Traum! Ich hab so die schnauze voll von dir,* hörte ich meine Mutter schreien als ich das Gartentor öffnete und auf die weiße Haustür zu lief, welche sich öffnete und aus welcher mein Vater stürmte. Er hatte einen gepackten Koffer bei sich, welchen er im Auto verstaute. Dann sah er mich, lief auf mich zu und umfasste meinen Kopf.
* Du schaffst das Kimba, ich bin stolz auf dich,* mit diesen Worten drückte er mir einen Kuss auf die Stirn und verschwand. Ließ mich und Mimi allein im Garten stehen, ließ meine weinende Mutter zurück an der Haustür.
* Wo gehst du hin?* hauchte ich, kaum verständlich. Alle guten Erinnerungen an den Tag waren wie ausgelöscht, alles was zählte war der Schmerz. Wie ein scharfes Messer, welches sich von tag zu Tag tiefer in mein herz bohrte und heute… ja heute hatte das Messer mein herz in zwei geteilt. Ich spürte Mimi, wie sie meine Hand griff:* Ich geh besser. Ich komm morgen früh vorbei okay? Mach keinen Blödsinn süße,* flüsterte sie, gab mir einen Kuss und verschwand. Jetzt war ich alleine. Meine Mutter war wieder im Haus verschwunden, auf welches ich nun mit wackligen Beinen zusteuerte. Sie hatten sich gestritten. Wegen mir. Wegen meinem Traum. Und obwohl ich so abgrundtiefen hass gegenüber meinem Vater gefühlt hatte, war da immer, tief in meinem Herzen, liebe gewesen. Ich lief vorbei an meiner Mutter, die am Küchetisch saß und weinte, lief vorbei an Pias Zimmer, aus welchem mich die wunderschönen braunen Augen von Bill anstarrten. Ich schmiss die Zimmertür hinter mir zu, machte meine Anlage an und drehte voll auf. Jeder sollte wissen wie ich mich in diesem Moment fühlte. Tokio Hotel- Gegen meinen Willen dröhnte aus meinen Boxen. Auf der einen Seite war der schmerz, welchen mein Vater da gelassen hatte, auf der anderen Seite war die Erleichterung, dass der endlose streit zwischen meinen Eltern nun ein ende haben sollte. Mit diesen Gedanken ging ich am Abend schlafen… und mit den selben Gedanken wachte ich am nächsten morgen wieder auf. Beim Frühstück wurde nicht gesprochen. Meine Mutter sah furchtbar aus. Sie hatte geschwollene rote Augen, zitterte und mit den Gedanken schien sie ganz wo anders. Mimi, die mir versprochen hatte heute zu kommen kam auch. Setzte sich neben mich auf mein Bett und war einfach nur da. Hörte mir zu.

 

Kapitel 17

Die nächsten Tage, verliefen alle gleich. Schule, nach Hause kommen, essen, Abend wieder schlafen gehen. Meine Mutter sah ich selten und wenn dann nur weil sie weinte. Ich hatte viel Zeit nach zu denken, schrieb viele neue Texte, die ich täglich mit Mimi übte. Die Osterferien rückten von tag zu tag näher… und so kam der letzte Schultag… * Und, was machst du so in den Osterferien? Junkie?* die Stimme meiner Klassenkameradin klang Kühl, doch ich wusste mich zu wehren:* Oh ich? Ich bin mit Tokio Hotel im Studio, mach ein paar Probe aufnahmen,* lachte ich und beobachtete belustigt wie der Gesichtsausdruck von einem Missbilligendem zu einem Geschockten wechselte. Dass ich für diesen Kommentar noch büßen würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht und so lief ich in der Pause nichts ahnend zum Klo. Schminke nachziehen und gucken ob auch alles richtig sitzt. Als ich vor dem Spiegel stand öffnete sich die Tür erneut. 3 Mädchen aus meiner Klasse, die sich hinter mir aufbauten.
* Schlampe!* Entfuhr es der einen. Ich blickte noch einmal kurz in den Spiegel und drehte mich dann um. Was ich sah, ließ mich zurück weichen, so weit, bis ich mit dem Rücken an die Wand gepresst war. Ein großes silbernes Messer… Mein blick fuhr über die Klinge, und blieb schließlich an der Spitze des Messers hängen.
* Und… wozu?* hauchte ich, nicht wissend was ich getan hatte.
* Dass hier,* die größte der Mädchen hob die Hand mit dem Messer:* Wird dafür sorgen dass du Bill nicht zu nahe kommst. Wer will schon so einen Krüppel wie dich,* alle drei lachten höhnisch auf als das dicke blonde Mädchen auf mich zu kam, mich mit der freien hand schmerzvoll an die Wand drückte und mit dem Messer über meine rechte Wange fuhr. Ich schrie auf, für einen kurzen Moment hatte ich dass Gefühl den Boden unter meinen Füßen zu verlieren, wurde aber sofort in die Realität zurück geholt als das Messer ein weiteres mal durch mein Gesicht fuhr. Warmes Blut rann durch mein Gesicht, tropfte auf den Boden und hinterließ eklige spuren auf den weißen Fliesen.
* Ein Wort an irgendjemanden und du wirst Mira nie, nie wieder sehen,* mit diesen Worten ließ die dicke meine Schulter los und ich sank kraftlos auf den Boden. Schloss einen kurzen Moment die Augen und als ich hörte wie die Tür hinter den Mädchen zufiel, fing ich bitterlich an zu weinen. * Was hab ich denn gemacht, dass immer alles kaputt geht wenn ich grade dabei bin, alles wieder neu aufzubauen?* schluchzte ich als sich die Tür erneut öffnete und Mimi mit großen Augen auf mich hinab blickte.
* Was-?* Weiter sprach sie nicht, drehte sich um und rief nach einem Lehrer, der dann auch wenige Sekunden später kam und sich zu mir kniete. Ich sagte nicht was geschehen war, auch Mira erzählte ich nichts. Stattdessen ließ ich mir die zwei großen risse in meiner Wange reinigen und verbinden, was ziemlich schwer war da sie vom Ohr bis zu meiner Oberlippe reichten. Mit einem großen weißen Handtuch welches ich mir ins Gesicht gepresst hatte, stand ich knapp 1 stunde später auf dem Schulhof und wartete auf meine Mutter, die mich nach Hamburg fahren wollte. Als sie mich sah war sie geschockt, doch ich sprach nicht mir ihr, lehnte mich lieber zurück und schloss die Augen. Mein Gesicht schmerzte und ich hätte mich Ohrfeigen können dass ich erzählt hatte wo ich über die Ferien war. Wir fuhren… und fuhren… und fuhren… und mit jeder Sekunde die wir fuhren wurde ich müder, bis ich irgendwann ganz einschlief.

 

Kapitel 18

*Schatz wach auf,* ich hörte die Stimme meiner Mutter nah an meinem Ohr. Hatte gut geschlafen, doch als ich die Augen öffnete und ein ungeheurer Schmerz mein Gesicht durchfuhr erinnerte mich an das Gespräch auf dem Klo.
* Wir sind da, schatz, wenn du nach Hause willst oder irgendetwas nicht stimmt, dann ruf mich an und ich hol dich sofort ab,* meine Mutter hatte Tränen in den Augen, was ich reichlich überflüssig fand. Ich war doch nicht aus der Welt. Höchstens für 2 Wochen abwesend. Ich verdrehte die Augen, nickte aber und holte dann meinen schweren Koffer aus dem Kofferraum. Als ich mich im Rückspiegel des Autos ein letztes mal ansah, war meine Wange dick und geschwollen. Getrocknetes Blut war über die komplette Wange verteilt. Igitt, dachte ich und begab mich dann auf den Weg in Richtung große Eisentür. Da sollte ich also rein? Ich schob die Klinke runter und betrat eine große Eingangshalle. Zog meinen Koffer hinter mir her während ich mich in dem großen Saal umsah. Es war recht hell alles, an der einen wand standen zwei große Sofa und ein Sessel um einen runden Couchtisch herum.
* Kann ich dir helfen?* Ich fuhr erschrocken herum und blickte in die braunen Augen die Bills so ähnelten. Tom allerdings fixierte mich mit einem geschockten Blick, musterte meine Wange und wollte grade etwas sagen als ich ihn unterbrach:* Das… das war nur meine Katze,* hauchte ich und setzte eines meiner gekonnten falschen lächeln auf.
* Katze,* nickte Tom und ich sah ihm an wie wenig er mir glaubte. Um vom Thema ab zulenken deutete ich auf meine Koffer:* Wohin soll ich die bringen?*
* Ah, ach so ja dass mach ich schon, komm mit,* er griff nach meinem schweren Koffer und schleifte ihn die Treppe hinauf, durch einen langen Flur, an jeder Seite waren 3 Türen, vor der letzen blieb er stehen, schloss sie auf und bat mich herein.
* Dass hier ist dein Zimmer. Daneben ist Bill und gegenüber bin ich. Wenn du irgendwas brauchst frag einfach. Ansonsten hol ich dich gleich ab und wir bestellen Pizza oder so, wir wollen dich ja alle noch ein bisschen kennen lernen. Dass ist wichtig für die Aufnahmen, dass alle sich verstehen weißt du?* Tom sprach in einer so hohen Geschwindigkeit dass ich einen Moment lang erst seine Worte verarbeiten musste ehe ich nicken konnte. Er lächelte, warf mir einen letzten Misstrauischen und besorgten Blick zu und verließ dass im Eiltempo mein Zimmer.
* Dass hätten wir,* murmelte ich und fing an, meinen Kleiderschrank ein zuräumen. Mein Zimmer war nicht sonderlich groß. Ich besaß einen eigenen Fernseher, einen großen Schreibtisch inklusive Stuhl und eine kleine Tür führte in mein kleines Badezimmer. Ich besah mich einen Moment lang abwesend im Spiegel. Strich behutsam über meine Wange und merkte nicht wie immer mehr Tränen sich einen Weg gen Boden suchten.

 

Kapitel 19

Warum immer ich? Diese frage brannte mir auf der Zunge, ich verspürte den Drang, einfach alles raus zu schreien. Und dass tat ich.
* WAS VERDAMMTE SCHEIßE HAB ICH DIR GETAN GOTT??? WAS HAB ICH GEMACHT DASS DU MICH JEDEN TAG SO BESCHTRAFST??* Ich hatte mich mit den Händen am Geländer abgestützt. Es dämmerte bereits und hinter der Stadt ging die Sonne unter.
* WARUM DARF ICH NICHT EINFACH SO LEBEN WIE ICH WILL???* Tränen rannen mir in Sturzbächen über die Wangen, meine Hände hatten sich mit aller Kraft in das Kalte metal der Gitter gekrallt und mein heißer Atem stieg in kleinen Rauchwölkchen den Himmel hinauf.
* Vielleicht solltest du einfach anfangen nicht die ganze Zeit zu lügen mh? Vielleicht solltest du einfach mal mit jemandem über deine wahren Probleme reden, denn nur, wenn du sagst, wo das Problem liegt, kann man es beseitigen,* erschrocken fuhr ich herum. Blickte in zwei wunderschöne braune Augenpaare. Bill lehnte an der Hauswand, eine Zigarette in der Hand und musterte mich mit einem sanften- aber auch fordernden Blick. Tom stand knapp zwei Meter von ihm entfernt, und hatte die Augenbrauen zusammen gezogen während er gesprochen hatte.
* Meine Probleme gehen dich nen scheiß Dreck an,* fauchte ich und stiefelte zurück in mein Zimmer, wo ich die Balkontür zu zog und die Rollos runter ließ. In dieser Nacht weinte ich mich in den schlaf. Ich war wütend, auf mich, auf Tom, dass er sich einfach so das Recht nahm mich auf meine Probleme aufmerksam zu machen und sauer auf Bill, weil er mir nicht einmal Hallo gesagt hatte, weil er Hochnäsig und Arrogant war. Ich schlief nicht lang, war um kurz nach 7 Uhr schon wieder wach, nahm mir vor, Bill einfach zu ignorieren. Heute wollte David mir zusammen mit genau diesem das Studio zeigen, damit ich mich auskannte wenn die Proben anfingen. Nachdem ich geduscht und angezogen war wollte ich eigentlich zum Frühstück als mir auffiel wie früh es noch war. Also stellte ich mich auf den Balkon und zündete mir eine Fluppe an. Ich rauchte nicht viel, nur wenn ich runter kommen wollte und dass, wollte ich definitiv.
* Verdammte scheiße, jetzt schon kein Bock mehr,* murmelte ich in den kalten Wind, als sich hinter mir jemand räusperte.
* Ich frage mich, was man mit einem Mädchen machen muss, damit sie so negativ denkt,* Bill legte den Kopf schief und musterte mich. * Mach das Mädchen fertig, lass das Mädchen alles verlieren was ihr lieb ist… und droh dem Mädchen, mach… dass es nicht mehr Leben will und ich bin sicher… sie wird genauso wie ich,* während ich sprach beobachtete ich die weißen Wölkchen die beim Reden im Wind verwehten. * Glaubst du dein Zwilling hätte gewollt dass du dich so hängen lässt? Glaubst du deine Freunde wollen dich verlieren? Denk doch mal eine deine Freundin. Willst du dass es ihr genauso ergeht wie dir, wenn du nicht mehr da bist?* Ich senkte den Kopf. Er hatte recht. Ich war ein egoistisches Arschloch. Noch nie hatte ich an Mimi gedacht, wenn es mir schlecht gegangen war.
* Siehst du, du solltest mal drüber Nachdenken was du anderen Leuten damit antust wenn du sie im stich lässt,* Bills Augen bohrten sich in die meinen:* Und du solltest dir überlegen ob du ewig weiter schweigen willst. Vielleicht bleibt es nicht bei ein paar Kratzern im Gesicht,* fügte Bill Nachdenklich hinzu ehe er sich umdrehte und verschwand.

 

Kapitel 20

Hatte ich mir dass nur eingebildet oder hatte ich einen hauch von angst und Besorgnis in Bills Blick gesehen? Ich drückte meine Morgendliche Zigarette aus, wenn Bill schon wach war, dann waren bestimmt auch die anderen schon auf den Beinen und ich konnte endlich frühstücken. Im Wohnzimmer wurde ich mit schiefen Blicken gemustert und während ich an meinem Brötchen knabberte kam dass große Ausfragen. Ich gab nicht viel von mir Preis… log viel. Erzählte, wie glücklich meine Familie wäre, wie gut ich den Tod meiner Schwester verarbeitet hatte, dass ich unglaublich beliebt an der Schule sei und immer gute Noten schrieb. Dass Bill und Tom mir scheinbar kein einziges Wort glaubten, bemerkte ich nicht. Und so ging es nach dem frühstück direkt in das kleine Studio, in welchem ich meine ersten Songs einsingen sollte. David zeigte mir jeden einzelnen Knopf und Bill sollte letztendlich dafür Sorgen dass ich in der Gesangskabine zurecht kam. * Setz die auf,* er wies auf die Kopfhörer welche über das Mikrofon gehängt waren:* Und dann singst du einfach da rein, aber am besten du gehst nicht zu nah ran sonst rauscht dass oder man versteht nur die hälfte. David und wir können dich von da aus sehen, die Musik bekommst du über die Kopfhöher, die Texte hängen da,* damit verschwand er und ließ mich in dem kleinen Zimmer zurück. In der Wand war ein riesengroßes Loch, durch dass ich David und Bill beobachten konnte. Dieser, zwinkerte mir noch einmal zu und ich warf einen ersten Blick auf den Songtext vor mir. Okay, dass dürfte zu schaffen sein. Ich gab David dass abgemachte Zeichen und kurze Zeit später dröhnten die leisen klänge des Liedes durch meine Kopfhörer. Ich schloss die Augen, legte meine rechte Hand sanft auf den Mikrofonständer und wartete auf meinen Einsatz. Ich spürte wie ich zitterte, spürte wie meine Gedanken weg zu treiben schienen. Und prompt, verpasste ich die erste Strophe.
* Noch mal, ist nicht schlimm,* schallte es durch den Raum und ich blickte zu David und Bill, welcher sich nach hinten gelehnt hatte und mich mit Hochgezogener Augenbraue musterte. Ich nickte und fing erneut an mich zu konzentrieren. Wieder diese, wie ich fand wunderschöne Melodie. Ich wusste dass Bill die Texte, welche ich einsingen sollte, ausgesucht hatte, der Grund allerdings warum er grade diese Songs ausgesucht hatte, war mir nicht klar. Noch nicht.
* Wie soll es mir schon gehn Ihr guckt euch nicht mehr an und ihr glaubt ich merk das nicht Wo soll ich jetzt hin Was habt ihr euch gedacht Sagt es mir jetzt in mein Gesicht Sagt wofür das alles hier zerbricht es macht mich fertig Es ist gegen meinen Willen Es ist gegen jeden Sinn Warum müsst ihr euch jetzt trennen eure Namen umbenennen Unser Ende ist schon hier Und ihr sagt es nicht vor mir Ich hasse euch dafür Es ist gegen meinen Willen dagegen - bin dagegen,* meine Stimme versagte, ich spürte Tränen aufkommen, konnte sie allerdings unterdrücken, räusperte mich und wollte weiter singen, allerdings hatte David die Musik ausgeschaltet und nickte nur. Bill, der neben ihm saß, nickte und sah mich mit einem wissenden Blick an. Und da wurde es mir klar… er hatte Songs ausgewählt die mit meinen Probleme zu tun hatten, er wollte sehen ob er mit seinen Vermutungen, welche ich ja nicht kannte, richtig lag.








Gratis bloggen bei
myblog.de